Klaus Neumann-Braun und Ulla P. Autenrieth: Der Einsatz online‐ethnographischer Methoden zur Analyse von Interaktions‐ und Kommunikationsprozessen Jugendlicher auf Social Network Sites – am Beispiel der laufenden SNF Studie „Jugendbilder
Universität Basel
Der Vortrag versteht sich als ein Beitrag zur Weiterentwicklung der Anwendungsweisen von Medien‐Ethnographie sowie Online‐Ethnographie bzw. virtueller Ethnographie anhand von ersten Ergebnissen aus der Arbeit des vom Schweizer Nationalfonds finanzierten Projekts „Jugendbilder im Netz“ (2008‐2010).
In Fortführung eigener langjähriger ethnographischer Untersuchungen von jugendkulturellen Sinnwelten (zuletzt: Die Welt der Gothics, Schmidt/Neumann‐Braun, 2/2008) stehen im hiesigen Forschungskontext insbesondere das Verschränkungsverhältnis von offline/online‐Kommunikation sowie die Bedeutung der forcierten Visualisierung jugendkultureller Vergemeinschaftungsprozesse im Fokus der Aufmerksamkeit.
Das Projekt untersucht die Selbstdarstellung und ‐visualisierung (Selbstpräsentation) sowie die Interaktions‐ und Kommunikationsprozesse von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 12 und 24 Jahren (Vergemeinschaftungsprozesse) in virtuellen Communities wie Facebook, StudiVz oder MySpace, die als bedeutende jugendkulturelle Phänomene unserer Zeit Millionen von Adoleszenten in virtuellen Netzwerken miteinander verbinden. Ein wichtiger Aspekt ist hier die Visualisierung von sozialen Netzen, also die Sichtbarmachung der freundschaftlichen Beziehungen innerhalb des Netzwerks, wie sie auf den genannten Portalen zum ersten Mal auf breiter Ebene möglich ist.
In methodischer Hinsicht werden die Aspekte von Produktions‐, Produkt‐ sowie Rezeptionsanalysen systematisch mit einander verschränkt, um den circuit of meaning vollumfänglich erfassen zu können. Zweitens kommt ethnographischen Methoden eine besondere Bedeutung zu – und zwar sowohl auf der Seite der Produktionsanalysen (Frage: Wie, durch wen und zu welchem Zweck werden die Bilder hergestellt?) als auch auf der Seite der Rezeptionsuntersuchungen: Letztere stützen sich tragend bspw. auf Methoden der teilnehmenden Beobachtung, der Teilhabe an vorhandenen Online‐Kommunikations‐ und Kommentarfunktionen, der Interpretation von Online‐Dokumenten, der Fixierung synchroner Kommunikation (etwa Chats) sowie den Methoden Leitfadeninterview und Gruppendiskussion (Mehr‐Methoden‐Design).
Der Vortrag versucht eine erste Einschätzung der Grenzen und Reichweite der genannten Methoden im Forschungsfeld netzbasierter Kommunikation Jugendlicher und junger Erwachsener.
